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..Fortsetzung
Inzwischen war die elfköpfige- wenn man nur die Zweibeiner zählte-
Reiterpaßgruppe im Gelände unterwegs. Für diesen letzten Ausritt
vor der Prüfung hatte Marianne geplant, nochmals verschiedene
Geländeschwierigkeiten, wie sie schon die ganze Woche immer wieder
vorkamen, zu absolvieren. Deshalb wählte sie eine Strecke, die
zwei Straßenüberquerungen, einen Geländesprung, eine Holzbrücke
und verschiedene Engpässe beinhaltete. Die Reiter und Pferde
meisterten nach der täglichen Übung alle Hindernisse ohne größere
Schwierigkeiten.
Schließlich gelangten sie auf einen grasbewachsenen Feldweg. Er
war recht breit, sodaß zu zweit nebeneinander geritten werden
konnte. Leider waren hier aufgrund des warmen Wetters und
mangelnden Schattens zahlreiche Fliegen und Bremsen unterwegs, von
denen die Pferde geplagt wurden. Deshalb gab Marianne recht bald
das Kommando zum Antraben. Schnelleres Tempo hielt einem das
Ungeziefer erfahrungsgemäß eher vom Leibe. Während des Trabens sah
Marianne sich immer wieder um. Doch sie brauchte sich keine Sorgen
zu machen: Alle Pferde trabten gehorsam, ohne nach vorne zu
drängeln.
Nachdem die Gruppe einige hundert Meter trabend zurückgelegt
hatten, erblickte Marianne einen entgegenkommenden Mähdrescher.
Zum Glück waren die Pferde an solche Fahrzeuge gewöhnt, sodaß eine
solche Begegnung im allgemeinen ohne größere Komplikationen
verlief. Marianne gab das Kommando zum Durchparieren, da man an
solchen Fahrzeugen besser im Schritt vorbeireiten sollte.
"Wir halten uns alle rechts." rief sie den Reitern zu. Da der Weg,
wie gesagt, ziemlich breit war, bot er genug Platz für Pferde und
Mähdrescher. Allerdings befand sich auf der der Reitergruppe
zugewandten Seite neben dem Weg ein dünner Drahtzaun. Auf der
anderen Seite aber war eine abgemähte Wiese, auf die das Fahrzeug
ohne Schwierigkeiten ausweichen konnte. Damit rechnete Marianne
jedenfalls. Doch sie hatte sich getäuscht. Die Reitergruppe war
zwar nicht zu übersehen, doch das war für den Fahrer des
Mähdreschers noch lange kein Grund, mehr als zehn Zentimeter über
den Wegrand hin-auszufahren oder auch nur langsameres Tempo
vorzulegen. Der Platz zwischen dem Fahrzeug und den Pferden hätte
keinen halben Meter betragen, falls der Mähdrescher an der Gruppe
vorbeigefahren wäre. Doch soweit kam es gar nicht. Als das in den
Augen der Pferde riesige Ungetüm noch etwa fünfzig Meter von
Mariannes Pferd entfernt war, wurde die sonst durch nichts zu
erschütternde Stute durch das fast genau auf sie zukommende
Fahrzeug unruhig und begann herumzutänzeln. Als der Fahrer
daraufhin immer noch keine Anstalten machte, das Tempo zu
verringern rief Marianne ihm zu, doch bitte langsam zu machen.
Doch dieser interessierte sich immer noch nicht für Mariannes Nöte
und fuhr einfach weiter. Daraufhin drehte sich Anka um, stellte
sich quer auf den Weg, und begann, rückwärts zu gehen, was den
Fahrer schließlich notgedrungen zum scharfen bremsen veranlasste.
Aber es war schon zu spät: Das Pferd warf sich auf der Hinterhand
herum und galoppierte den Weg zurück- und alle anderen hinterher.
Glücklicherweise hatten sich alle Reiter bei der abrupten Wendung
im Sattel halten können. Doch nun rasten die Pferde den Weg
entlang und waren nicht mehr zu halten.
Marianne rief ihren Mitreitern zu, zu versuchen, ihre Pferde in
auf die Wiese zu lenken und Volten zu reiten, doch wer jemals auf
einem durchgehenden Pferd gesessen hat, weiß, dass dies fast
unmöglich zu schaffen ist, vor allem, wenn andere Pferde davor
weiter geradeaus rennen.
Schließlich schaffte es Marianne, Anka auf einen großen Zirkel zu
reiten. Die anderen Pferde folgten. Marianne gelang es, den Zirkel
immer weiter zu verkleinern und so das Tempo zu verlangsamen und
schließlich brachten sie die Pferde zum stehen. Ein kleines
Mädchen fing sofort an zu weinen, Marianne versuchte vergeblich,
es zu beruhigen. Auch die anderen Reiter waren ziemlich
erschrocken und schimpften auf den rücksichtslosen Fahrer. "So ein
Idiot! Den müsste man anzeigen!" rief Fred erbost. Die anderen
stimmten ihm zu, doch da niemand auf die Nummer geachtet hatte,
war dieses Vorhaben wohl als zwecklos anzusehen.
"Wir reiten wohl am besten durch den Wald zurück." schlug Marianne
dann vor. "Auf den Feldern sind bei dem Wetter sicher noch mehr
solche Fahrzeuge unterwegs." Das war allen sehr recht, niemand
legte Wert auf eine weitere Begegnung dieser Art.
Der Heimritt verlief friedlich, im Wald begegnete die Gruppe
keiner Menschenseele. Eigentlich hatte Marianne vorgehabt, auf dem
Heimweg noch einmal einzeln von der Gruppe weg reiten zu üben,
doch das wollte sie Reitern und Pferden jetzt doch nicht mehr
zumuten. Es würde morgen schon klappen, falls es überhaupt
verlangt wurde.
Der Reitlehrer behielt recht: Die Dressurstunde am Nachmittag
verlief für Mandy wesentlich erfolgreicher. Anka war zwar ein
wenig eigenwilliger als Maike, doch Mandy kam mit ihr trotzdem gut
zurecht.
Das Mädchen sah wieder weitaus hoffnungsvoller auf die Prüfung. |