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..Fortsetzung "Was meinst
du, Hans?" fragte er.
"Wie gesagt, ich glaube schon, daß man das Pferd wieder reiten
kann." antwortete der Tierarzt. "Aber mindestens ein halbes Jahr
Ruhe, eher noch mehr, braucht es auf jeden Fall."
"Meiner Frau und mir dauert das zulange." mischte sich der
Besitzer ein. "Bis der Wallach wieder reitbar ist, ist die
Turniersaison längst vorbei. Wir haben schon ein neues Pferd in
Aussicht, eine fünfjährige Stute, schon in M-Springen plaziert.
Kann garantiert nächstes Jahr S gehen, wenn sie über den Winter
ordentlich trainiert wird." erzählte er stolz. Fred verzog das
Gesicht. Die Einstellung dieses Mannes fand er einfach unmöglich.
Fred hatte zwar auch vor, auf Turnieren zu starten, doch er
betrachtete sein Pferd sicher nicht als Sportgerät, wie es dieses
Ehepaar zu tun schien. Gerhard wandte sich dem Besitzer zu. "Das
Pferd ist sieben Jahre alt, sagten Sie mir am Telefon?"
Der Mann nickte zustimmend. "Wir haben es seit zwei Jahren. Es ist
sehr umgänglich und leicht zu reiten."
"Irgendwelche früheren Krankheiten oder andere Besonderheiten?"
fragte Gerhard weiter. Der Mann verneinte die Frage. Gerhard war
jedoch davon überzeugt, daß er auch nichts sagen würde, falls es
doch so wäre.
"Schön. Ich nehme den Wallach." sagte er dann. "Regeln wir gleich
das Geschäftliche?"
"Gern. Wir können dazu ins Reiterstübchen gehen." schlug der
Besitzer vor.
"Ich bleibe hier." sagte Fred sofort. "Wie heißt das Pferd denn
eigentlich?"
"Marco Polo." antwortete der Mann, schon auf dem Weg zur Tür. Dr.
Mayer, der ebenfalls im Stall geblieben war, schlug vor, das Pferd
wieder in die Box zu stellen. Als Fred den Wallach hineinführte
fiel Dr. Mayers Blick auf Freds Gipsverband. "Was hast du denn
gemacht?" fragte er.
"Bin vom Pferd geflogen." antwortete Fred. "Beim Springen. Jetzt
ist wochenlang essig mit reiten. Dabei wollte ich das Abzeichen
machen."
"Wärst du Westernreiter, dann hättest du gar kein Problem."
scherzte der Tierarzt.
"Stimmt." grinste Fred. "Aber unsere Schulpferde lassen sich
leider nicht einhändig reiten. Jetzt sitze ich den ganzen Tag nur
dumm herum und kann den anderen beim Reiten zusehen." sagte er
betrübt. "Vielleicht hast du jetzt mehr zu tun." sagte Dr. Mayer
und deutete auf Marco. "Das Pferd sollte zwei mal täglich zehn
Minuten geführt werden, außerdem muß das Bein morgens und abends
mit einer Salbe eingerieben werden."
"Darum kümmere ich mich, solange ich noch hier bin." versprach
Fred. "Natürlich nur, wenn es Gerhard recht ist." fügte er hinzu.
Dieser kam eine knappe Viertelstunde später zurück. Der
Vorbesitzer hatte sich schon verabschiedet und überließ es
Gerhard, Fred und Dr. Mayer den Wallach zu verladen. Zum Glück
ging Marco problemlos in den Hänger. Der Reitlehrer klappte die
Rampe hoch. "Das war´s."sagte er zufrieden. Er war davon
überzeugt, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Der Besitzer hatte
tatsächlich nur wenig mehr als den Schlachtpreis gefordert, und
Gerhard wußte, daß der Wallach ohne die lädierte Sehne mindestens
das zehnfache wert gewesen wäre. Wenn das Bein wieder ganz in
Ordnung kam, würde er ihn mit Gewinn verkaufen können- nun, man
würde sehen.
"Ich muß weiter." erklärte Dr. Mayer jetzt. "Eigentlich hätte ich
heute vormittag auf einen Isländerhof fahren sollen. Nur
euretwegen habe ich den Termin auf morgen verschoben."
"Des Pferdes wegen." korrigierte Gerhard streng.
"Marcos wegen natürlich auch." lenkte Dr. Mayer friedlich ein.
Dann erklärte er auch Gerhard noch, wie das Pferd zu behandeln sei
und gab Fred die Salbe. "Ich schaue morgen früh mal bei euch
vorbei." versprach er, als er ins Auto stieg. Auch die beiden
anderen stiegen in Gerhards Wagen.
Als sie auf den Reiterhof zurückkamen, waren die Teilnehmer des
Frühstücksrittes gerade zurückgekommen. Marco wieherte im Hänger,
als er die anderen Pferde hörte. Gerhard wartete, bis alle Pferde
im Stall verschwunden waren, dann erst öffnete er die Klappe und
führte das Pferd die Rampe hinunter. Die momentan einzige freie
Box befand sich im hinteren Stallgebäude, dort, wo sonst
hauptsächlich Privatpferde standen, und so kam Marco in den Genuß
einer Außenbox. Das war insofern gut, da Dr. Mayer noch einige
Wochen Boxenruhe verordnet hatte. Erst nach Ablauf dieser Zeit
würde das Pferd auf die Koppel dürfen.
Gerhard führte Marco in die Box und das Pferd stürzte sich sofort
auf das in der Ecke liegende Heu. Eine ganze Schar Reitschüler kam
sogleich neugierig näher, doch Gerhard schickte sie wieder weg,
das Pferd sollte erst einmal seine Ruhe haben. "Jetzt laßt ihn
sein Heu fressen, ihr könnt ihn euch später ansehen." versprach
er.
...weiter
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